LASIK und Nachbehandlung: vier Alternativen

In: Wissenschaftliche Artikel

22 Jan 2012

Ich habe ja in vorangegangenen Artikeln über NACHBEHANDLUNG bei der LASIK gesprochen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die Rate der nötigen Nachbehandlung mit  dem Alter, höherer Ausgangswerte und höherer Hornhautverkrümmung zunimmt (Will sagen: jemand mit einem Ausgangswert von -3.5 -0.25 x 90° hat ein wesentlich niedrigeres Risiko eine Nachbehandlung nach Lasik oder Femto-Lasik zu benötigen, als jemand mit Ausgangswerten von +4.00 -4.00 x 90°).

Gehen wir mal von einem Patienten aus, wo der Augenarzt mit dem Femtosekundenlaser behandelt hat und jetzt eine Nachbehandlung nötig wird.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, den Flap noch mal anzuheben, um dann das Gewebe nachzulasern. Das wäre dann Möglichkeit 1.

Möglichkeit 2 ist die PRK auf dem Flap, d.h., dass man das Epithel erst mit Alkohol 40 Sekunden weicher macht, um es dann mir einer Art stumpfen Buttermesser zur Seite zu schieben. Dann kann man mit dem Excimerlaser die Rest-Myopie (Kurzsichtigkeit), Rest-Hyperopie (Weitsichtigkeit) oder den Rest-Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) weglassen. Hier kommt es zum Einsatz von Mitomycin C, um einer eventuellen Vernarbung vorzubeugen. Bei Möglichkeit 3 wird auch eine PRK gemacht. Das Epithel wird aber nicht weggestrichen, sondern mit dem Laser entfernt. Dabei handelt es sich um eine PTK, eine phototherapeutische Keratektomie mit 50 Mikrometer. Ich werde demnächst an dieser Stelle Hintergrundwissen zu der PTK geben.

Möglichkeit 4 beschreibt die Side-Cut-Only Technik ( Coskunseven et al. Femtosecond LASIK Retreatment Using Side Cutting Only. Journal of Refractive Surgery January 2012 – Volume 28 · Issue 1: 37-41). D.h., innerhalb des ersten Side-Cuts des Flaps wird ein weiterer geschnitten. Stellen Sie sich vor, der erste Flap hat einen Durchmesser von 9,2 Millimeter. Jetzt kann man bei der Nachbehandlung hingehen, mit einem Saugring wieder ansaugen, um dann einen Flap von 9.0 Millimeter zu präparieren. Grundsätzlich denkbar, hat sich aber als nicht so gut erwiesen, weil darunter der Visus, das Sehen leidet. Wenn man aber nur den Seitenschnitt macht, kann man auf die Interface der ersten Behandlung zurückreifen, ohne eine weitere präparieren zu müßen.

Das klingt kompliziert. Ist es aber nicht wirklich. Wichtig ist, dass der Augenarzt vorher genau die beste Lösung mit Ihnen bespricht. Das ist abhängig von dem Auge,der Behandlung und auch dem Zeitraum, die zwischen erster und zweiter Behandlung vergeht. Wenn es darum geht Ingrowth zu verhindern sind  Möglichkeit 2-4 die besten, wobei Nr. 4 die wirtschaftlich Aufwändigste ist.

Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie Fragen zur Nachbehandlung haben.

Dr. med. Bernhard Febrer Bowen

4 Responses to LASIK und Nachbehandlung: vier Alternativen

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Frankyboy

January 26th, 2012 at 11:17

Hallo Herr Dr. Febrer,

ist bei der Aussage, dass die Rate notwendiger Nachbehandlungen mit dem Alter zunimmt, das Lebensalter zum Zeitpunkt der LASIK gemeint oder dass mit fortschreitendem Alter das Risiko einer Regression höher ist?

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RonjaRäubertochter

January 29th, 2012 at 14:27

Bei welchen Rest-Dioptrienwerten würden sie zu einem Nachlasern raten?

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bfb

February 5th, 2012 at 23:33

Danke für diese wichtige Frage. Man kann unterscheiden zwischen Nachbehandlungen im ersten Jahr und denen, die erst viel später auftreten. Wenn ich nachbehandle, ist das meistens im ersten Jahr. Das liegt dann meistens daran, dass das Hornhautgewebe nicht so reagiert hat, wie vorausgesehen. Nehmen wir mal an, man benötigt eine gewisse Energie, um 4 Dioptrien abzutragen, aber das Hornhautgewebe ist “stabiler/resistenter” als der Durchschnitt, dann hat die Energie vielleicht nur für 3,5 Dioptrien ausgereicht und eine Halbe Dioptrie muß nachgelasert werden. Darüber hinaus gibt es aber auch eine ganz langsame Regression, vielleicht 0,05 bis 0,1 Dioptrien über einen gewissen Zeitraum. Dann kann es durchaus sein, dass man nach 10 Jahren 0.5 Dioptrien fehlsichtig ist. Die große Frage ist natürlich, ob die halbe Dioptrie von der Hornhaut kommt, oder ob die Linse im Auge sich verändert hat. Es rät sich, je jünger der Patient ist einen gewissen Puffer einzubauen (0,25-0,5 Dioptrien), was der Laser (Algorithmus) und der Chirurg für das jeweilige Auge aber mit einberechnet.
Frage beantwortet? Liebe Grüße, bfb

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bfb

February 5th, 2012 at 23:35

Danke für die Frage. Grundsätzlich würde ich nicht nachlasen, wenn es nicht stört. Soll heißen, wenn eine halbe Dioptrie nicht stört, oder das Gehirn es “rausrechnet”, würde ich nichts tun. Am besten in einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt besprechen ;-) .

LG, bfb

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