Ein heißdiskutiertes Thema: soll ich in die Türkei fahren, um mir die Augen lasern zu lassen? Fest steht, das Deutschland sicherlich die meisten Patienten ins Ausland “schickt”, vermutlich weil die Preise höher sind als im Ausland.
Wie viele Patienten im Jahr in Deutschland gelasert werden ist nur schwer zu schätzen – vermutlich sind es zwischen 25.000 und 50.000 Patienten pro Jahr. Damit ist Deutschland im Vergleich zu England, Spanien und den USA eher ein Entwicklungsland. Es fällt mir als Chirurg sehr schwer, meinen türkischen Kollegen auf die Distanz die Kompetenz abzusprechen. Also gehen wir mal davon aus, dass diese auch ihr Handwerk verstehen und das es dort vielleicht auch das ein oder andere “schwarze Schaf” gibt. Wenn wir vergleichen, müssen wir aber objektiv bleiben. Augentis bietet die Femto-Lasik mit Wellenfront-Profilen auf einem 400Hz Wavelight Laser (bester Laser laut FDA-Protokoll) mit dem Intralase Femto-Laser (beide Baujahr 2008 mit Vollwartungsverträgen) ab 2900.-€ an. Ich habe im Internet nur einen Kollegen in der Türkei gefunden, der Ähnliches anzubieten hat und der nimmt rund 1000€ weniger. Warum sollte man 1000€ mehr ausgeben? Erst einmal bezweifel ich, das man so straff kalkulieren darf. Wenn man eine Begleitperson mitnimmt (nicht jeder ist so cool und fliegt mal eben in die Türkei zum Lasern, ohne eine vertraute Person dabeizuhaben) ist der Preisvorteil schnell aufgebraucht. Auch die Anreise zum Flughafen, das Geld was man noch in der Türkei im “Miniurlaub” ausgibt also die “verdeckten Kosten” müssen mit einkalkuliert werden, so dass ein großer Unterschied nicht bleibt.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Behandlung in Deutschland aber auch andere Vorteile mit sich bringt.
1. “Produkthaftung”: Es ist doch angenehmer, seinen Chirurgen vor Ort zu haben. Nachkontrollen sind sehr wichtig, und der deutsche Augenarzt macht den in der Türkei Gelaserten schnell mal zu einem Privatpatienten, so dass Nachsorgeuntersuchungen bezahlt werden müßen. Sollte eine Nachbehandlung nötig sein, ist diese in der Türkei (so Internetseite) nicht kostenfrei. Also nochmal ins Flugzeug und 1000€ ausgeben. Zugegeben, das Risiko ist nicht sehr groß (2-5% bei guten Chirurgen) aber dann doch ärgerlich, wenn es gerade einen selber trifft.
2. Individualisierte Behandlung: Sehr viele meiner Patienten sind in ihren 40zigern. D.h. entweder kurz vor der Alterssichtigkeit oder schon symtomatisch. Hier bei Augentis testen wir mit Kontaktlinsen welches Ergebnis die größtmögliche Brillenfreiheit bedeutet, in meistens mehreren Voruntersuchungen. Wir garantieren eine 80% Brillenfreiheit auch dem Alterssichtigen, weil wir uns die Zeit nehmen, das beste asphärische Laserprofil (+/-Monovision, Custom-Q) maßgeschneidert für jedes Auge zu bestimmen. Das kostet Zeit und Personal.
3. Die richtige Behandlung: Nur etwa 85% der Patienten die sich lasern lassen wollen sind auch dafür geeignet. Was geschied mit den anderen 15%? Der türkische Kollege schickt sie vermutlich (hoffentlich) unbehandelt wieder nach Hause (Flug muß aber trotzdem bezahlt werden). Multifokale Linsen, Vorderkammerlinsen, Cross-Linking, Licht-adjustierbare Linsen gehören zu unseren Standardbehandlungen, die auch eine Brillenfreiheit bedeuten können. Und ich glaube an die richtige Behandlung für jedes Auge, immer. Und erst wenn alle Test gut ausfallen (Pentacam HR, Wavescan, Topographie, Endothelzellmessung, Pupillometrie, medizinische Anamnese, Augenbefund) kann eine Augenlaserbehandlung in Erwägung gezogen werden.
Fazit: Ich würde mich auch von einem türkischen Kollegen mit anständigem Laser (deutscher Laser, am besten Wavelight Allegretto) behandeln lassen, aber hier in Deutschland, bei kostenlosen Nachuntersuchungen und eventuellen Nachbehandlungen, mit ausreichend Zeit, mich vorher mit ihm zu unterhalten, seine private Handynummer besitzend, so dass er mich im Zweifelsfall auch am Wochenende sieht und das nicht nur am Tag nach der Behandlung. Wenn das der Fall ist, zahle ich ihm auch gerne 1000€ mehr. Es geht ja schließlich um meine Augen.